• Virginia Satir: Familienskulptur, Fünf Freiheiten und systemische Beratung


    Systemische Beratung
    Entwicklung

    Virginia Satir: Familienskulptur, Fünf Freiheiten und systemische Beratung

    Stefan R. Manzow

    14. Juni 2017

    3 Min. Lesezeit

    Virginia Satir gehört zu den einflussreichsten Pionierinnen der systemischen Familientherapie — und zu den am häufigsten missverstandenen.

    Ihre Arbeit wurde von Richard Bandler und John Grinder für das Neurolinguistische Programmieren (NLP) adaptiert. Satir unterstützte das zunächst, distanzierte sich später aber — insbesondere von Bandler. Wer ihre Ansätze ernstnimmt, versteht sie in ihrem ursprünglichen Kontext: als humanistisch-systemische Therapie, die den Selbstwert des Menschen ins Zentrum stellt.

    Die Familienskulptur: sichtbar machen, was unsichtbar wirkt

    Satir entwickelte die Familienskulptur als körperlich-räumliche Technik: Beziehungen, Machtdynamiken und Kommunikationsmuster werden nicht beschrieben, sondern dargestellt — durch Körperhaltung, Nähe und Distanz. Was sich sprachlich schwer fassen lässt, wird so unmittelbar erfahrbar. Heute lässt sie sich in verschiedenen Kontexten einsetzen:

    Im Team

    Strukturen, Rollen und unausgesprochene Hierarchien werden sichtbar — ohne langes Reden. Erlebnisorientierte Methoden können Teamkohäsion messbar stärken.

    In der Einzelberatung

    Angelehnt an das
    innere Team
    (Schulz von Thun) macht die Skulptur konkurrierende innere Anteile und Ambivalenzen in geschütztem Rahmen sichtbar.

    Die Fünf Freiheiten — Satirs Kernbotschaft

    Fünf Freiheiten als Grundbedingungen psychischer Gesundheit und kongruenter Kommunikation. Eingeschränkte Ausdrucksfreiheit untergräbt Selbstwert und Handlungsfähigkeit systematisch.

    1

    Zu sehen und zu hören, was im Moment wirklich da ist
    — statt dessen, was sein sollte, gewesen ist oder erst sein wird.

    2

    Auszusprechen, was ich wirklich fühle und denke
    — und nicht das, was von mir erwartet wird.

    3

    Zu meinen Gefühlen zu stehen
    — und nicht etwas anderes vorzutäuschen.

    4

    Um das zu bitten, was ich brauche
    — anstatt immer erst auf Erlaubnis zu warten.

    5

    In eigener Verantwortung Risiken einzugehen
    — statt immer nur auf „Nummer sicher“ zu gehen.

    Diese Freiheiten sind keine Aufforderung zur Selbstoptimierung. Sie beschreiben, was verloren geht, wenn Systeme — Familien, Teams, Organisationen — authentischen Ausdruck systematisch bestrafen. Satirs Ziel ist Kongruenz: die Übereinstimmung von Wahrnehmung, Gefühl, Gedanke und Ausdruck.

    Ich wünsche Ihnen den Mut, sich den Antworten auf diese Fragen zu stellen.

    Ein Anruf, eine E-Mail — und wir sind im Gespräch

    Wissenschaftliche Quellen (Auswahl)

    • Satir, V., Banmen, J., Gerber, J. & Gomori, M. (1991).
      The Satir Model: Family Therapy and Beyond
      . Palo Alto: Science & Behavior Books.
    • Brubacher, L. (2006). Integrating emotion-focused therapy with the Satir model.
      Journal of Psychotherapy Integration
      .
    • Erker, R. (2017). A Summary of a Qualitative Study of Satir Family Therapy over the Past 30 Years.
      SIJ, 5
      (1).
    • Wong, D. F. K. & Ma, C. W. (2022). Development and Validation of the Perceived Self-Transformation Scale for the Satir Model.
      Hong Kong Satir Center
      .
    • Schulz von Thun, F. (1998).
      Miteinander reden 3: Das innere Team
      . Hamburg: Rowohlt.
  • Wie Veränderung gelingen kann x 6 Tipps


    Veränderung
    Tipp

    Wie Veränderung gelingen kann

    Stefan R. Manzow

    24. Mai 2017

    2 Min. Lesezeit

    Nach der Zielfindung kommt in meinen Beratungen immer wieder dieselbe Frage: Wie gelingt Veränderung? Der Wunsch nach fertigen Ratschlägen liegt dann in der Luft — ich verweise stattdessen auf die eigene Kreation des Weges.

    Hier einige Hilfestellungen, die sich in der Praxis als nützlich erwiesen haben:

    1

    Behalten Sie Ihre Ziele zunächst für sich

    Es braucht rund 21 Durchläufe, um ein neues Verhaltensmuster zu stabilisieren — 21 Laufrunden, bis Laufen zum Repertoire gehört; 21 Feiern ohne Alkohol, bis es sich gut anfühlt. Erklären Sie sich nicht ständig anderen. Sonst laden Sie Ihr Umfeld zur externen Ratsversammlung ein — und das kann verunsichern.

    2

    Rechnen Sie mit Reibung im Umfeld

    Es kann sein, dass Sie einen Teil Ihres Freundeskreises verlassen oder verlieren — weil er Ihren gegenwärtigen Status stützt, Ihr Ziel aber nicht teilt.

    3

    Lernen Sie, mit Einsamkeit umzugehen

    Nichts zu tun ist besser, als das zu tun, was Sie bisher gemacht haben. Denn Ihr altes Verhalten hat ja nicht zur gewünschten Veränderung geführt — oder?

    4

    Machen Sie Ihr Ziel zum Bild

    Ihr Ziel sollte klar formuliert und möglichst als selbst erstelltes Bild vorhanden sein. Führen Sie ein Tagebuch auf dem Weg dorthin — handschriftlich, idealerweise koloriert. Die Emotion, die Sie zu diesem Bild haben, ist ein wichtiger Antrieb.

    5

    Haben Sie Geduld mit sich

    Zwei Schritte vor, einer zurück — das ist völlig normal. Jeder kleine Schritt in die gewünschte Richtung zählt als Erfolg.

    Beispiel: Sie möchten abnehmen? Dann ist jeder Tag, an dem Sie nach 19 Uhr nichts mehr essen, ein Erfolg — und sollte entsprechend gewürdigt werden.

    6

    Ändern Sie jeden Tag eine Kleinigkeit

    Raus aus der Routine. Immer dieselbe Bahn zur Arbeit? Nehmen Sie einen anderen Weg. Immer dasselbe Café? Gehen Sie woanders hin. Gehen Sie neue Wege — und das meine ich wörtlich.

    Sie wollen Ihren eigenen Veränderungsplan erstellen — Ihr Ziel unabhängig definieren und auf dem Weg begleitet werden?

    Ein Anruf, eine E-Mail — und wir sind im Gespräch

    Alles Gute für Sie — Stefan Manzow