„Macht über den eigenen Lebensweg zu besitzen ist wichtiger als Status- und Positionsmacht zu haben.“

Was bedeutet das im Berufsleben? Für mich bedeutet es, dass diese Haltung den Menschen unabhängiger macht.

Das macht die Sache nicht einfacher, denn wer das Spielfeld nicht mit Haut und Haaren betritt, bzw. sich allein vom Ausgang des Spiels abhängig macht, der ist nicht greifbar für bestimmte manipulative Inhalte im Berufsleben und damit immer irgendwie aussen vor, oder?

Wie kommt es dazu, dass dieser Satz wieder in meinem Geist auftaucht?

Je älter Menschen werden, desto gefestigter ist ihre Persönlichkeit. Sie haben schon einige Schlachten geschlagen. Sie haben manipuliert und wurden manipuliert und haben erfahren wie der mentale und körperliche Preis aussieht, denn man für bestimmte Handlungsstrategien bezahlt.

In diesem Zusammenhang wird Menschen oft auch etwas anderes bewusst:

„Unsere “Endlichkeit“ verdrängen, darin sind wir unschlagbar.“ via @scha_ma_mal_

In der Rolle als Angestellter, ob als Führungskraft oder Mitarbeiter gehört der Mensch zu einem sozialen System.

Jedes Unternehmen / soziales System wird durch Werte bestimmt und möchte als System weiter existieren, also überleben.

Der Mensch ist laut Arbeitsvertrag zeitlich begrenzt ein Teil dieses Systems. Er kann jedoch noch so loyal dem System gegenüber sein. In Notsituationen wird das System alles tun was notwendig ist um zu überleben. Es wird auch die eigene Teile, die Mitarbeiter, abspalten. Und nicht nur in Notsituationen, sondern auch wenn es der Führungskraft gerade passt den einen oder anderen Mitarbeiter aus seinem System zu entfernen um sich beispielsweise nicht mehr sachlich über Inhalte auseinandersetzen zu müssen.

Als älterer Mensch mit der entsprechenden Lebens- und Berufserfahrung wissen Sie was das in letzter Konsequenz für Sie bedeuten kann.

Dieses Wissen, insofern es einmal wirklich gefühlt und verinnerlicht worden ist, verändert die eigene Haltung und damit Position.

Das macht die Arbeit mit gestandenen Persönlichkeiten für Führungskräfte anspruchsvoller um in Anforderungssituationen die letzten Kräfte der Mitarbeiter zu mobilisieren.

Warum sollte ein Mitarbeiter sich bis auf das Letzte verausgaben, wenn er weiß dass es nichts an der Rolle oder am Status im Unternehmen ändern würde?

In der Populär- und Fachliteratur wird viel über die sogenannte „Work-Life-Balance“ geschrieben. Wenn ein Mitarbeiter dieses Wissen umsetzt und für sich sorgt, dann hat er Macht über seinen eigenen Weg. Fachlich heißt das dann Selbstwirksamkeit und das bringt ihn an den Rand des Systems. Es sei denn das ganze System / Unternehmen ist so angelegt, dass auf die Gesundheit der Mitarbeiter, die das Unternehmen tragen Rücksicht genommen wird.

Ich schreibe dies weil ich in der Literatur viel über die sog. Generation Y lese, die anscheinend alles will. Einen guten Job, Freizeit, Familie und Gesundheit. Wenn ich das lese ist das erst mal für mich nichts Neues. Das war schon immer ein Ziel. Dieses mag in den 90ern aus dem Fokus geraten sein, weil die Individualisierung, die sogenannte „Selbstverwirklichungsidee“ uns alle begeistert hat und wir vergessen haben, dass wir grundlegende Gemeinsamkeiten haben könnten.

Dann wird in der aktuellen Presselandschaft und Blogosphäre plötzlich die Trennung von Beruf und Privatleben als nicht realitätsnah beschrieben. Aus der psychologischen Forschung ist bekannt, dass beide Rollenmuster nach einer gewissen Zeit verschmelzen. Jedoch ist es unbedingt notwendig unter die Arbeit regelmässig einen Schlussstrich ziehen zu können und abzuschalten. Ohne wirkliche Erholung brennen wir aus. Kreative Einfälle hat man oft in Entspannungsphasen, nicht notwendigerweise nur in Drucksituationen.

Es ist aus meiner Sicht wie beim Muskelaufbautraining:

Ohne Ruhephasen können sich die Glukosespeicher nicht aufladen, es können keine Micro-Verletzungen vom Organismus repariert werden. Es findet einfach kein Wachstum statt. Der Motor, der Muskel arbeitet bis er kaputt ist.

Und auch mit Erholungsphasen und gut konzipiertem Training gibt es Wachstumsgrenzen. Vielleicht ist es das was im Hintergrund so schwer zu akzeptieren ist. Das Wachstum und die Leistungsfähigkeit des Individuums hat Grenzen.

Hat auch ein Unternehmen Wachstumsgrenzen und Werte die nicht überschritten werden dürfen um gesundes unternehmerisches Wachstum zu generieren?

Derzeit scheint es so zu sein, dass uns hier in Deutschland Nachwuchskräfte fehlen und dass die Wechselquote in einigen Branchen einfach zu hoch ist, weil die Menschen händeringend nach einer Position suchen in der nicht im Krisenmodus gearbeitet wird. Beispielsweise In der Pflegebranche wechseln manche Arbeitskräfte so lange bis Sie die Branche verlassen. Zum Teil, weil die Arbeitsbelastung einfach nicht zu schaffen ist und man immer am Limit ist.

Bisher ist man davon ausgegangen, dass es genügend Nachrücker gibt, dass genügend „Human Ressourcen“ in der Gesellschaft vorhanden sind um das System immer weiter „nachzufüttern“. Vielleicht erleben wir gerade die Zeit in der sich das ändert.

Loyalität muss man zunächst geben um sie zu erhalten und damit auch die Menschen zu motivieren im Unternehmen zu bleiben und gute Leistungen abzuliefern. Es ist ein Geben und Nehmen, sagt man umgangssprachlich. Dabei steht das Geben bewusst an der ersten Stelle.

So lange unser Wirtschaftssystem sich jedoch in Teilen zu etwas entwickelt, dass „nur“ auf die „Aus“- Nutzung der Human Ressourcen setzt, wird sich die Zahl derer erhöhen, die weniger loyal gegenüber einem Unternehmen sind.

Unbefristete Verträge, der Ausschluss von Arbeitnehmerüberlassung, Sabaticals, Homeofficemöglichkeit, Klare Arbeitszeitenregelungen und ein interner Weiterbildungsplan für die Mitarbeiter sind Möglichkeiten um der Loyalität des Unternehmens seinen Mitarbeitern gegenüber Ausdruck zu verleihen.

Die Selbstwirksamkeit zu stärken und damit Macht über den eigenen Berufs- und Lebensweg zu haben ist jedoch zu erst die Aufgabe jedes Einzelnen.

Alles Gute für Sie

Stefan Manzow

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