Klärungsraum · Analyse

Die Entzauberung, die ausbleibt

Über eine Hoffnung, für die es keine Daten gibt.

Die Beschreibung ist richtig. Populistische Parteien greifen Verlusterfahrungen auf und versprechen, den Zustand davor wiederherzustellen. Das lässt sich an fast jedem Wahlkampf der letzten fünfzehn Jahre zeigen, und ernsthaft bestreitet es niemand.

An dieser Beschreibung hängt aber eine zweite Annahme, die selten ausgesprochen wird: dass die Leute deshalb wählen. Dass sie eine Erwartung haben. Und dass sie abwandern, wenn die Erwartung enttäuscht wird. Daraus folgt eine Hoffnung, die man in Kommentarspalten und in Parteizentralen gleichermaßen findet. Lasst sie einmal regieren, dann erledigt sich das von selbst.

Für diese Hoffnung gibt es keine Daten.

Abgestraft, und die Forschung streitet über wie stark

Joost van Spanje hat 2011 alle 19 Regierungsbeteiligungen von Anti-Establishment-Parteien in westeuropäischen Demokratien seit 1945 ausgewertet, 594 Beobachtungen. Diese Parteien zahlen einen Aufschlag: In einer typischen Konstellation verlieren sie 5,54 Prozentpunkte, vergleichbare andere Regierungsparteien 2,61. Gemessen an ihrer eigenen Größe sind das 57 Prozent ihres vorherigen Ergebnisses.

Zwei andere Untersuchungen finden diesen Aufschlag nicht. Andreas Bergh und Anders Kärnä haben 2026 32 europäische Länder von 1980 bis 2023 verglichen, 234 populistische und 906 andere Parteien: Regieren kostet rund fünf Prozentpunkte, und ein Zusatzabschlag für Populisten lässt sich in den meisten Spezifikationen nicht nachweisen. Ihr Schlusssatz: „Our results call into question the idea that the rise of populist parties can generally be halted by bringing them into government.“ Tjitske Akkerman und Sarah de Lange haben 2012 alle sechs radikal rechten Parteien mit Regierungserfahrung einzeln geprüft; in vier von sieben Wahlen danach gewannen sie Stimmen. Ihr Urteil: Diese Parteien würden „evaluated as normal parties by voters“.

Zwei gegen einen also, bei dünner Datenbasis auf allen Seiten und mit Fällen, die sich kaum überschneiden. Wichtiger als der Streit ist, worin sich alle drei einig sind.

Van Spanje prüft zwei Erklärungen für den Aufschlag und verwirft beide: nicht die Kompromisse in der Koalition, nicht die fehlende Regierungserfahrung. Kontrolliert man für Letztere, wird der Effekt sogar stärker. Auch die Wirtschaftslage im Wahljahr trägt bei ihm nichts bei. Bergh und Kärnä prüfen die ökonomische Bilanz während der Amtszeit und finden ebenfalls nichts. Akkerman und de Lange kommen zu dem Schluss, die Politikbilanz erkläre die Unterschiede zwischen ihren Fällen kaum.

Drei Untersuchungen, die sich über die Höhe der Strafe streiten und darin übereinstimmen, dass sie nicht an der Leistung hängt.

Die Bilanz ist nicht der Grund

Das lässt sich an einem Fall zeigen, bei dem man es am ehesten anders erwartet hätte. Sophia Stutzmann hat 2025 die Zechen- und Kraftwerksschließungen in Nordrhein-Westfalen zwischen 2007 und 2022 ausgewertet. Sie wählt den Fall ausdrücklich, weil der deutsche Steinkohleausstieg mit Frühverrentung, Umschulung und Regionalförderung großzügiger abgefedert wurde als vergleichbare Ausstiege anderswo. Wenn Kompensation hilft, müsste sie hier helfen.

Sie hilft nicht. Die erste Schließung kostet die SPD in der Gemeinde 1,46 Prozentpunkte, im gematchten Vergleich 0,99, und erhöht die Nichtwahl um gut einen Punkt.

Der eigentliche Fund steht im Anhang der Arbeit. Beschäftigungsquote und Kaufkraft der betroffenen Gemeinden brechen im Vergleich mit ähnlichen Gemeinden nicht ein. Die Kompensation hat also getan, wofür sie da war. Ihr Satz dazu: „Political backlash to coal closures thus does not seem to be driven by material considerations.“ Was stattdessen messbar ist: Die Menschen dort schätzen die wirtschaftliche Ungleichheit ihrer Region höher und ihre eigene Position niedriger ein als die Vergleichsgruppe, obwohl die Zahlen das nicht hergeben.

Ihr Fazit: „even relatively generous compensation for the losers of structural economic change and the involvement of unions in the policy-making process cannot mitigate political backlash.“

Warum die Rückkopplung nicht schließt

Wenn weder die Bilanz die Strafe erklärt noch die Kompensation den Backlash verhindert, stellt sich die Frage, was die Wähler eigentlich verarbeiten.

Martin Bisgaard hat das in vier randomisierten Experimenten in den USA und Dänemark geprüft, mit 8.621 Befragten. Die Fakten kommen an: Anhänger beider Lager korrigierten ihre Einschätzung der Wirtschaftslage in Richtung der vorgelegten Evidenz, und zwar parallel. Was auseinanderging, war die Zurechnung. Republikaner wurden nach einer positiven Wirtschaftsmeldung um 22 Prozentpunkte weniger überzeugt davon, dass der Präsident dafür verantwortlich sei, Demokraten um sechs Punkte überzeugter. In Dänemark nach einer negativen Meldung dasselbe spiegelverkehrt. Und als dort zwischen zwei Erhebungen die Regierung wechselte, kehrte sich das Muster innerhalb von zehn Monaten um. Dieselbe Wirtschaftslage, dieselben Leute, umgekehrte Schuldzuweisung.

Das ist keine Verdrängung, sondern etwas Schwierigeres: Die Tatsache wird zugestanden und wandert an eine andere Adresse.

Störer

Wird die Umdeutung erst durch die korrekt aufgenommene Tatsache ausgelöst, dann ist mehr Information kein Gegenmittel, sondern ihr Auslöser.

Bisgaard hat seinen Aufsatz genau danach benannt: wie das Richtigstellen der Fakten parteiisches Denken befeuern kann.

Die Verriegelung sitzt in der Zurechnung

Legt man die beiden Befunde nebeneinander, zeigen sie denselben Vorgang in verschiedenen Feldern. Bei Bisgaard kommt die Wirtschaftsmeldung korrekt an, und was auseinandergeht, ist die Frage, wer dafür kann. Bei Stutzmann bleiben Beschäftigung und Kaufkraft stabil, und trotzdem verschiebt sich das Bild von der eigenen Lage. Auch hier ist nicht die Tatsache verändert, sondern das, was sie bedeuten soll. Diesen zweiten Teil führt Stutzmann selbst nur als suggestive evidence, die Stichproben sind klein; er trägt weniger als der erste.

Beide Male bleibt die Wahrnehmung intakt und die Zurechnung wandert. Das erklärt, warum die beiden naheliegenden Hebel an derselben Naht versagen. Kompensation setzt an der materiellen Tatsache an, Aufklärung an der Wahrnehmung. Die Zurechnung liegt hinter beiden, und sie wird von zusätzlichen Tatsachen nicht korrigiert, sondern gefüttert.

Das ist mein Schluss aus dem Nebeneinander, keine der beiden Arbeiten zieht ihn. Falsch wäre er, wenn sich zeigte, dass das Berichtigen der Fakten die Schuldzuweisung mitbewegt. Bisgaard hat im Kern genau das geprüft. Sie bewegt sich nicht mit, sie bewegt sich dagegen.

Und sie werden auch nicht anders

Neben der Bestrafungshoffnung gibt es eine zweite: die Mäßigungsthese. Wer regiert, muss verhandeln und Kompromisse schließen, also mäßigt er seinen Ton. Jakob Schwörer hat 2022 nachgesehen und 1.210 Facebook-Beiträge von fünf populistischen Parteien ausgewertet, jeweils drei Monate in der Opposition und drei in der Regierung.

Der erwartete Rückgang tritt nicht ein. Die Parteien bleiben volksbezogen und anti-elitär; sie tauschen die Adressaten aus. Wer regiert, greift frühere Regierungen an, Ex-Minister, Landesregierungen, den jeweils anderen Rand. Bei der FPÖ stieg der Anteil der Beiträge, die das Volk einem Gegner gegenüberstellen, von 9,1 auf 21,4 Prozent.

Ein einziges Element geht zurück: der Angriff auf die politische Klasse als Ganzes. Man kann schlecht gegen das Establishment protestieren, während man es stellt. Das ist aber auch die einzige Bedeutung von „Elite“, die an ein Amt gebunden ist. Der Rest meint eine Sorte Mensch und keine Position, und bleibt deshalb unberührt.

Das ist ein ausbleibender Effekt, kein nachgewiesener Anstieg; die meisten Unterschiede sind nicht signifikant, und die Fallzahl ist klein. Was Schwörer zeigt, ist, dass die unterstellte Zähmung sich nicht finden lässt.

Damit fällt auch die Erklärung, die van Spanje für seinen Aufschlag anbietet. Er vermutet, diese Parteien verlören Stimmen, weil sie als verwandelt wahrgenommen werden, vom Außenseiter zum Teil des Betriebs. Gemessen hat er das nicht. Schwörer misst es und findet es nicht. Van Spanje selbst hält in einer Fußnote fest, dass FPÖ und Lega sich nach der Regierungsbeteiligung radikaler positionierten, nicht gemäßigter. Ein bestätigter Effekt ohne bestätigten Mechanismus also: Keine der drei geprüften Erklärungen trägt ihn.

Eine Spur gibt es doch, und sie kommt von den Fallstudien. Akkerman und de Lange fragen, warum manche dieser Parteien katastrophal verloren und andere gewannen. Was die Fälle trennt, ist nicht die Bilanz, sondern ob die Partei intern zusammenhielt und ob sie es schaffte, im Amt weiter wie eine Opposition aufzutreten. Die Dansk Folkeparti stützte eine Minderheitsregierung, ohne Minister zu stellen. Die Schweizerische Volkspartei nutzte Volksinitiativen und Referenden, um konfrontativ zu bleiben, während sie im Bundesrat saß. Die Lega Nord konnte sich hinter einem Wahlbündnis verstecken. Alle drei gewannen. Die drei Parteien, die vollständig in die Regierung gingen und intern zerfielen, verloren zwischen 59 und 66 Prozent ihrer Wähler.

Diese Strategie habe den Gewinnern geholfen, schreiben sie, „to retain a radical profile and a confrontational style when in office“. Nicht das Regieren an sich kostet also, sondern eine bestimmte Art zu regieren. Wer sichtbar draußen bleiben kann, während er drinnen sitzt, zahlt nicht. Das sind sieben Wahlen und keine Regression. Aber es ist die einzige Erklärung im Bestand, die ihren eigenen Test überstanden hat.

Der Brexit, sieben Jahre danach

Wenn es einen Fall gibt, an dem sich ein nicht eingelöstes Wiederherstellungsversprechen beobachten lässt, dann diesen. Eine repräsentative Befragung von 4.005 Menschen im Vereinigten Königreich, Ende Mai 2023.

Unter den Leave-Wählern von 2016 halten 18 Prozent den Verlauf für gut und 22 Prozent für schlecht; 26 Prozent sagen, es sei zu früh für ein Urteil. Nicht einmal jeder Fünfte nennt es einen Erfolg. Ihre Stimme revidieren würden 16 Prozent. 72 Prozent würden wieder Leave stimmen.

Bezogen auf alle Befragten sagen 52 Prozent, der Brexit sei schlecht gelaufen. Das Land hat sein Urteil gefällt, die Leave-Wähler haben es weitgehend mitgefällt. Ihre Entscheidung nehmen sie deshalb nicht zurück.

Die Wörter, die man dafür greift

An dieser Stelle hat man meist schon ein Wort. Das genaueste kommt aus der Jugendsprache: delulu. Es trifft, aus einem Grund, der ihm selbst gehört. Es ist selbstbezüglich. Man sagt es über sich, und man sagt es, während man weiß, dass die Sache nicht stimmt. Es schließt das Wissen ein, statt es zu bestreiten, und genau darum geht es hier.

Für einen Analysetext taugt es trotzdem nicht. Es kippt beim Subjektwechsel: „Ich bin delulu“ ist Selbstironie, „die sind delulu“ ist eine Abwertung. Und es hat keinen bestimmbaren Referenten, es kann ihn also nichts widerlegen.

Was gemeint ist, hat ältere Namen. Hans Vaihinger nannte 1911 solche Sätze Fiktionen des Als-Ob: Annahmen, die man aufrechterhält, weil sie brauchbar sind, nicht weil man sie für wahr hält. Die Wahlforschung hat einen eigenen Ausdruck dafür, das expressive Wählen: Die Stimme ist dann keine Prognose, sondern eine Aussage darüber, wer man ist und wohin man gehört.

Zwischen Erwartung und Ausdruck liegt der ganze Unterschied für die Frage, was hilft. Eine enttäuschte Erwartung korrigiert sich. Ein Ausdruck nicht, weil er nie behauptet hat, eine Vorhersage zu sein.

Und wo abgestraft wird, hält es nicht

Die FPÖ verlor nach ihrer ersten Regierungsbeteiligung von 26,9 auf 10,0 Prozent, nach der zweiten von 26,0 auf 16,2. Fünf Jahre später stand sie bei 28,9 Prozent, dem besten Ergebnis ihrer Geschichte. Die Lega halbierte sich zwischen 2018 und 2022 von 17,4 auf 8,8 Prozent, während Fratelli d’Italia im selben Zeitraum von 4,4 auf 26,0 sprang. Bestraft wurde die Partei, nicht das Lager. Und über 60 Länder und hundert Jahre gerechnet dauert eine populistische Amtszeit im Schnitt 5,5 Jahre gegen 3,3 bei den übrigen.

Was dagegen steht

Zwei Befunde sprechen gegen diese Lesart, und sie gehören dazu.

Gebrochene Versprechen werden bestraft. Theres Matthieß hat 92 Regierungsparteien in 69 Wahlen und 14 Ländern ausgewertet: Wer die Hälfte seiner Versprechen einlöst, verliert rund sieben Prozent der Stimmen, wer vier Fünftel einlöst, nur zwei. Es hilft dabei nicht, die Verantwortung diffus zu halten. Nur ist diese Frage für populistische Parteien nie gestellt worden; der zugrunde liegende Datensatz kodiert Populismus nicht.

Zweitens haben Anja Neundorf und Sergi Pardos-Prado in einem Umfrageexperiment kurz vor der US-Wahl 2020 gezeigt, dass Information über den Wirtschaftseinbruch die Wahlabsicht für den Amtsinhaber um sieben bis neun Prozentpunkte senkte. Populistische Kandidaten seien, so ihr Schluss, „not immune to democratic accountability once in power“.

Die Rechenschaft ist also nicht ausgehebelt. Sie ist entkoppelt von der Bilanz. Das ist ein Unterschied, und er ist wichtig für jeden, der aus diesem Text Fatalismus lesen möchte.

Was diesen Text widerlegen würde

Wenn sich zeigte, dass die Verluste populistischer Regierungsparteien mit ihrer tatsächlichen Bilanz wachsen und schrumpfen, wäre die These falsch. Bergh und Kärnä haben das geprüft, und es hätte anders ausgehen können. Ebenso wäre die Erwartungs-Lesart wiederhergestellt, wenn Nachbefragungen ergäben, dass ehemalige Wähler ihre Partei wegen nicht eingelöster Versprechen verlassen. Diese Untersuchung gibt es für populistische Parteien nicht. Sie wäre machbar.

Was übrig bleibt

Zwei Hebel, die in der öffentlichen Debatte als wirksam gelten, sind es nach dieser Befundlage nicht.

Der eine ist die Kompensation. Sie hat im deutschen Fall wirtschaftlich funktioniert und den Backlash trotzdem nicht verhindert. Was zurückblieb, war kein Einkommensverlust, sondern ein verändertes Bild von der eigenen Lage.

Der andere ist das Warten. Regieren entzaubert nicht, jedenfalls nicht stärker als bei anderen Parteien, nicht dauerhaft und nicht auf Lagerebene. Und es mäßigt, soweit man es an der Kommunikation messen kann, auch den Ton nicht.

Warum die beiden versagen, lässt sich sagen: Sie greifen an der Tatsache und an der Wahrnehmung an, und verriegelt wird eine Stufe später, bei der Zurechnung. Wo der Hebel stattdessen liegt, weiß ich nicht. Das ist ein unbefriedigender Schluss, und ich schreibe ihn trotzdem hin, weil die naheliegenden Alternativen schlechter sind: eine Empfehlung, für die es keine Belege gibt, oder das stille Weiterhoffen auf einen Mechanismus, den die Daten nicht hergeben.

Stefan Manzow ist Psychologischer Berater in Hamburg. Er schreibt im Klärungsraum über die psychologischen Voraussetzungen von Handlungsfähigkeit, beruflich wie politisch.

Quellen & Geltungsgrade

Kosten des Regierens (a): Joost van Spanje, Keeping the rascals in (öffnet in neuem Tab), European Journal of Political Research 50(5), 2011, 609–635 (594 Beobachtungen, 51 Parteien, sieben Länder, 1945–2008; Interaktion b = −3,26, SE 1,35, p < 0,01; Simulation 5,54 gegen 2,61 Prozentpunkte). Andreas Bergh & Anders Kärnä, A hangover like any other (öffnet in neuem Tab), Public Choice, 2026 (32 Länder, 1980–2023; Post-power-Effekt −4,94 bzw. −4,49; Interaktion mit Populismus im bevorzugten Modell ohne Signifikanz). Tjitske Akkerman & Sarah L. de Lange, Radical Right Parties in Office (öffnet in neuem Tab), Government and Opposition 47(4), 2012, 574–596 (sechs Parteien, sieben Wahlen; FPÖ −16,9 und BZÖ −5,9 Prozentpunkte gegen Dansk Folkeparti +0,9/+0,6, Lega Nord +0,7, SVP +1,9, Lijst Pim Fortuyn −11,3).

Einschränkung zur Zitierweise (a): Die Aussage, die Strafe variiere nicht mit Wachstum, Ungleichheit, Sozialausgaben, Globalisierung und Arbeitslosigkeit, steht so im Abstract von Bergh und Kärnä, ist in der publizierten Fassung aber nicht durch eine eigene Moderatorentabelle belegt; dort sind die fünf Größen nur Kontrollen und „typically insignificant“. Die Interaktionstests stehen in der Vorfassung IFN Working Paper 1491 (2024) (öffnet in neuem Tab), Tabelle 4, alle fünf ohne Signifikanz. Diese Vorfassung hatte keine Vergleichsgruppe und kam zum gegenteiligen Kernbefund; sie trägt nur die Moderatorentests.

Kompensation und Backlash (a): Sophia Stutzmann, Asymmetric backlash against structural economic change (öffnet in neuem Tab), European Journal of Political Research 64, 2025, 1643–1667 (396 Gemeinden in NRW, 1990–2022; SPD −1,46 bzw. −0,99, Nichtwahl +1,52 bzw. +1,33; für die AfD kein signifikanter Effekt). Achtung: Die kursierende Arbeitspapierfassung von 2024 hat eine andere Methode, andere Fallauswahl und berichtet einen AfD-Effekt, der in der publizierten Fassung wegen zu kleiner Stichprobe gestrichen wurde. Die Wahrnehmungsdaten führt die Autorin selbst nur als suggestive evidence.

Motiviertes Denken (a): Martin Bisgaard, How Getting the Facts Right Can Fuel Partisan-Motivated Reasoning (öffnet in neuem Tab), American Journal of Political Science 63(4), 2019, 824–839 (vier randomisierte Experimente, USA und Dänemark, N = 8.621).

Brexit (a): UK in a Changing Europe / Public First, Exploring „Bregret“ (öffnet in neuem Tab), 2023 (n = 4.005, Feldzeit 26. Mai bis 2. Juni 2023). Alle Werte gegen die Datentabellen desselben Polls geprüft. Der im Bericht auf Seite 31 genannte Wert von 34 Prozent ist in den Tabellen nicht auffindbar und widerspricht Seite 29 (22 Prozent); er wird hier nicht verwendet.

Kommunikation im Amt (a): Jakob Schwörer, Less Populist in Power? (öffnet in neuem Tab), Government and Opposition 57(3), 2022, 467–489 (1.210 Facebook-Beiträge, fünf Parteien; Antagonismen der FPÖ 9,09 gegen 21,43 Prozent). Der Autor weist selbst darauf hin, dass die meisten Unterschiede zwischen Opposition und Regierung im t-Test nicht signifikant sind.

Amtsdauer (a): Manuel Funke, Moritz Schularick & Christoph Trebesch, Populist Leaders and the Economy (öffnet in neuem Tab), American Economic Review 113(12), 2023, 3249–3288 (1.482 Regierungschefs, 60 Länder, 1900–2020). Die Wachstumsbefunde derselben Arbeit werden hier nicht verwendet.

Gegenbefunde (a) und (b): Theres Matthieß, Retrospective pledge voting (öffnet in neuem Tab), European Journal of Political Research 59(4), 2020, 774–796 (92 Regierungsparteien, 69 Wahlen, 14 Länder; der Datensatz kodiert Populismus nicht). Anja Neundorf & Sergi Pardos-Prado, The Impact of COVID-19 on Trump’s Electoral Demise (öffnet in neuem Tab), Perspectives on Politics 20(1), 2022, 170–186 (n = 1.200; von sechs Koeffizienten erreicht nur einer p ≤ 0,05, deshalb nur (b)).

Begriffe (a) und eigene Schlüsse (c): Hans Vaihinger, Die Philosophie des Als Ob, Reuther & Reichard, Berlin 1911. Dass sein Begriff der bewussten Fiktion auf politische Überzeugungen übertragbar ist, ist mein Vorschlag, keine empirische Aussage. Ebenso meine Deutungen: dass im Amt allein die positionale Bedeutung von „Elite“ unbrauchbar wird; dass Bisgaard und Stutzmann denselben Vorgang in verschiedenen Feldern zeigen; dass das expressive Wählen den Befund erklärt. Keine der ausgewerteten Arbeiten testet expressives gegen erwartungsgeleitetes Wählen für populistische Parteien.

Nicht geprüft (d): Frédéric Gonthier, Partisans like any other? (öffnet in neuem Tab), European Political Science Review 15(4), 2023, 659–670, hätte den Mechanismus populismusspezifisch gemessen; ein Volltext war nicht zugänglich, und die Arbeit trägt in diesem Text deshalb nichts. Ebenfalls bewusst ausgelassen: die Forschung zur Kontakthypothese und zum Subtyping, in der derselbe Zurechnungsvorgang seit Allport beschrieben wird. Sie bekommt einen eigenen Text.

Prüftiefe: Von elf herangezogenen Arbeiten lagen zehn im Volltext vor. Wo nur ein Abstract zugänglich war, steht es an der Quelle.

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