Klärungsraum · Essay

Projektionsfläche

Warum wir bloßstellen, statt zu überzeugen

Im Stadion schimpfen wir auf den Schiedsrichter, online stellen wir Fremde an den Pranger. Nicht aus einem Grund, sondern aus mehreren, die ineinandergreifen. Und alle stecken in einem alltäglichen Wort.

Zwei Sätze fallen an jedem Spieltag. Der eine heißt „wir haben gewonnen“. Der andere heißt „der Schiri war blind“. Beide sagt derselbe Mensch, oft am selben Nachmittag, und beide sagen mehr über ihn als über das Spiel.

Das steckt schon im Wort. Eine Projektionsfläche zeigt nicht sich selbst. Sie zeigt, was der Projektor auf sie wirft. Das Bild gehört dem, der es wirft. Der Fußball, und später das Netz, sind solche Flächen. Dass wir auf sie projizieren, steht nicht in Frage. Die Frage ist, was dabei aus uns herauskommt, und wann.

Man möchte hier die Ursache benennen. Der Fan ist frustriert, also schimpft er, fertig. Aber so einfach ist es nie, und die einfache Version führt in die Irre. Es gibt nicht den Grund. Es gibt ein Geflecht aus Faktoren, von denen jeder ein Stück beiträgt, keiner allein genügt und jeder nur unter bestimmten Bedingungen greift.

Lauter kleine Hebel

Der geliehene Sieg ist der erste. Cialdini hat ihn 1976 vermessen: Nach einem Sieg trägt man die Farben und sagt „wir“, nach einer Niederlage sagt man „die“. Am stärksten dann, wenn das eigene Selbstbild kurz zuvor einen Kratzer bekommen hat. Ein kostenloser Zugewinn, den viele mitnehmen.

Ob eine Niederlage überhaupt wehtut, hängt am nächsten Faktor: wie sehr man mit dem Team verwachsen ist. Wer nur lose dranhängt, zuckt mit den Schultern und distanziert sich: „die haben verloren“. Wer die Fanrolle zum Kern gemacht hat, kann das nicht; für ihn ist die Niederlage die eigene (Wann & Branscombe 1990).

Und wenn sie wehtut, entscheidet der dritte Faktor, ob ein Angriff überhaupt etwas repariert, nämlich wen man angreift. Die Abwertung des Rivalen oder des Schiedsrichters, also des bedrohungsrelevanten Ziels, hebt den gesunkenen kollektiven Selbstwert tatsächlich wieder. Die Abwertung eines beliebigen, unbeteiligten Ziels tut das nicht; sie senkt ihn sogar (Branscombe & Wann 1994). Der Schiri taugt also nicht zufällig: Er ist der äußere Schuldige, an dem sich der Selbstwert flicken lässt.

Ein beliebiges Ziel wird trotzdem getroffen, aus einem anderen Grund. Wut sucht sich, wenn der eigentliche Anlass unerreichbar ist, das nächstbeste erreichbare Ziel; verlagerte Aggression ist einer der robusteren Befunde der Aggressionsforschung (Marcus-Newhall u. a. 2000). Nur repariert dieser Treffer nichts, er entlädt bloß. Zwei Faktoren, zwei verschiedene Ziele: der Rivale, an dem sich der Selbstwert flickt, und das billige Ziel, an dem sich die Wut entlädt.

Ob das eigentliche Ziel überhaupt in Reichweite steht, entscheidet mit. Derselbe Sport zeigt das auf zwei Ebenen. In der Bundesliga steht der Schiedsrichter hinter Ordnungsdienst, Abstand und Kameras; er wird bepfiffen, aber er wird nicht erreicht. In der Kreisliga steht derselbe Mensch allein auf dem Platz, in Armlänge von allen, und pfeift ehrenamtlich. Eine Vergleichsstatistik zwischen beiden Ebenen ist mir nicht bekannt; auch der Sachstand der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags beziffert nur den Amateurbereich. Was es gibt, sind Zahlen von unten: In Vesters Längsschnitt unter württembergischen Schiedsrichtern berichten 18,9 Prozent, irgendwann tätlich angegriffen worden zu sein, 4,2 Prozent in der zurückliegenden Saison; Bedrohungen stiegen zwischen 2011/12 und 2022/23 von 38,9 auf 42,5 Prozent.

Nur trägt diese Reihe nicht so weit, wie sie klingt. Die bundesweite Meldestatistik des DFB zeigt für die letzten Jahre das Gegenteil, einen Rückgang von einem Höchststand: 0,43 Prozent der 1,29 Millionen Spiele der Saison 2024/25 gegenüber 0,5 Prozent 2022/23, die Spielabbrüche von 961 auf 829, weiterhin über dem Stand von 2016/17. Die beiden Reihen messen Verschiedenes: die eine, was Schiedsrichter erleben und berichten, die andere, was sie in den Spielbericht eintragen. Vester, von der die erste stammt, sagt über die zweite, sie zeige eher, wie gemeldet wird, als was geschieht. Wer hier eine Zunahme behauptet, behauptet mehr, als die Daten hergeben. Wo das eigentliche Ziel in Armlänge steht, trifft es der Zorn selbst; wo es das nicht ist, sucht er sich ein anderes.

Ein Schalter ist das nicht. Der geliehene Sieg macht die Zugehörigkeit billig, solange gewonnen wird; die Identifikation entscheidet, ob eine Niederlage dann wehtut; die Art des Ziels, ob der Angriff den Selbstwert flickt; die Erreichbarkeit, ob dieses Ziel überhaupt getroffen wird; und wo es das nicht ist, entlädt sich die Wut an einem billigeren. Keiner dieser Hebel erklärt das Verhalten allein. Was sie verbindet, ist keine gemeinsame Ursache. Es ist eine Richtung: Das Bild auf der Fläche stammt vom Betrachter.

Wann es Projektion ist und wann nicht

Mit dem Etikett „projiziert doch nur“ lässt sich jede Kritik entwerten, auch die zutreffende. Manchmal war der Stürmer schlecht. Manchmal ist die Kritik am Schiedsrichter schlicht richtig. Wer alles zur Projektion erklärt, hat das Spiel aus dem Blick verloren und redet nur noch über die Seelenlage der anderen, und macht sich damit selbst unwiderlegbar.

Die Grenze ist praktisch, nicht psychologisch: Was kostet mich die Äußerung, und was folgt aus ihr? Eine Kritik, hinter der ich stehe, verlangt, dass ich sie begründe und zurücknehme, wenn sie falsch war. Ein Zuruf, der nichts kostet und aus dem nichts folgt, sagt mehr über den Rufer.

Ein Preis, der anfällt, korrigiert noch nichts. Strafe und Korrektur sind zweierlei. Man kann teuer bezahlen, mit Gegenwut, im Extremfall mit der Anzeige, und trotzdem nie erfahren, ob man recht hatte.

Das eigentliche Feld

Dasselbe Geflecht liegt online, nur ist das der Ort, an dem es zählt. Auch hier die zwei Sätze. „Wir stehen auf der richtigen Seite“ ist der geliehene Sieg. „Der gehört bloßgestellt“ ist die ausweichende Wut, gerichtet auf ein Ziel, das sich meist schlechter wehren kann als man selbst.

Zum zweiten Satz gibt es einen Befund, der stutzig macht. Jordan und Rand (2020) fanden: Menschen äußern mehr Empörung und wollen eher strafen, wenn ihnen der Weg versperrt ist, ihre Anständigkeit durch echtes Beitragen zu zeigen. Im Experiment ist dieser Weg blockiert; die Empörung springt für etwas ein, das nicht offensteht. Online liegt der Fall verschoben, und heikler: Der Weg zum echten Beitrag ist hier gerade nicht versperrt, er wird nur selten gegangen. Was im Labor die verschlossene Tür erzwingt, geschieht online bei offener. Man könnte das moralisches Junkfood nennen: billig, schnell, sichtbar, nährwertfrei, anders als der echte Beitrag, der teuer, langsam und unsichtbar ist. Zeit spenden, einen Schaden reparieren, das sieht niemand. Den empörten Post sehen alle. Dass der Feed daneben den Anschein von Einsicht liefert, wo keine ist, steht in Der Beruhigungsapparat.

Der Unterschied, der zählt

Alter Reflex, neue Bühne, im Stadion harmlos, online gefährlich? So einfach ist es wieder nicht.

Eine feedbackfreie Arena gibt es nicht, auch das Stadion ist keine. Der Zorn läuft dort nur selten zum Spieler; er läuft zum Nebenmann. Wer im falschen Block die falsche Farbe trägt, wird korrigiert: durch Blicke, durch Ansprache, im Extremfall durch Gewalt. Nur korrigiert das nichts an der Sache. Es führt vor, dass man im falschen Block das Falsche gesagt hat. Bestraft wird die Zugehörigkeit; der Inhalt bleibt unberührt. Genau das ist online der Normalfall. Das Piling-on ist der digitale Gästeblock.

Dabei ist die verbreitete Resignation falsch, wonach online niemand mehr seine Meinung ändere. Der „Backfire-Effekt“, wonach Widerspruch die Leute nur bestärke, tritt selten auf; meist bewegen sich Überzeugungen in Richtung der Belege. Es hängt an der Form. Ob ein Argument überzeugt, hängt nachweislich auch am Wie, am Zusammenspiel beider Seiten (Tan u. a. 2016). Und fordernde, angreifende Sprache löst eher Ärger und Abwehr aus und überzeugt gerade dadurch schlechter (Ma u. a. 2025). Das ist nicht der Backfire-Effekt: Die Leute rücken nicht weiter weg, sie kommen nur weniger weit entgegen. Der Dunk, die Bloßstellung, das Piling-on sind also ausgerechnet die Formen, die nicht überzeugen. Sie tragen das Kostüm der Korrektur und bestrafen Zugehörigkeit. Köpfe wären erreichbar, nur nicht so, und auch dann nicht verlässlich.

Vier Größen ändern sich zwischen Stadion und Netz. Der Streit im Block betrifft die Menschen in Armlänge, online Tausende, die nichts damit zu tun haben. Er endet mit dem Schlusspfiff; der Post bleibt, durchsuchbar, jahrelang. Im Stadion ist halbwegs absehbar, was einen Preis hat; online verpufft derselbe Satz folgenlos oder ruiniert eine Existenz, und was von beidem geschieht, hängt an Sichtbarkeit und Zufall, kaum am Inhalt. Und während das Ziel meist benannt ist, kann der Absender sich hinter einem Pseudonym halten.

Auch hier keine einfache Ursache. Ob Anonymität die Sache schlimmer macht, hängt von der Norm der Gruppe ab, in der man sich bewegt: Dieselbe Maske macht in einer freundlichen Umgebung freundlicher, in einer aggressiven aggressiver (Postmes & Spears 1998; Rösner & Krämer 2016). Das Pseudonym ändert für sich genommen die Bereitschaft nur wenig, den Preis dagegen deutlich: Der Werfer kann die Strafe auf eine wegwerfbare Hülle abladen, der Getroffene haftet mit seinem Namen. Ein Vorhang, keine Wand; die Anzeige zieht ihn auf. Aber solange er hängt, tragen beide sehr ungleich.

Die Frage, die bleibt

Kein Aufruf, sich nicht mehr zu empören. Manche Empörung ist berechtigt, manche Kritik trifft. Der Punkt ist nicht, zu schweigen, sondern zu wissen, was man gerade tut.

Zwei Fragen genügen. Berührt das, was ich sage, die Sache, oder bestrafe ich, dass jemand zur falschen Seite gehört? Und: Kann die Person, auf die ich ziele, mir auf gleicher Höhe antworten, oder werfe ich verdeckt auf einen Benannten? Läuft das eine auf Bestrafung hinaus und das andere auf Ungleichheit, schaut man nicht auf den Fehler des anderen. Man schaut auf eine Projektionsfläche, und das Bild darauf ist das eigene.

Auch dieser Text ist so eine Äußerung, und die zwei Fragen gelten ihm selbst. Ein Essay, der fremde Empörung deutet, kann genau der Dunk sein, den er beschreibt. Widerlegt wäre er, wenn die feindselige Form online regelmäßig Meinungen bewegte, statt nur Zugehörigkeit zu bestrafen. Bisher deutet die Befundlage auf das Gegenteil.

Quellenapparat

Geltungsgrade: [belegt] = durch peer-reviewte Primärquelle direkt gestützt (Abstract/Volltext gelesen) · [gestützt] = durch peer-reviewte Übersichtsliteratur oder Preprint gestützt, Primärquelle referenziert · [strukturell] = definitorische/logische Aussage, keine Verhaltensbehauptung.

Belege nach Aussagen

  • [belegt] Geliehener Sieg (BIRGing), „wir“/„die“, am stärksten bei bedrohtem Selbstbild: Cialdini, R. B., Borden, R. J., Thorne, A., Walker, M. R., Freeman, S., & Sloan, L. R. (1976). Basking in reflected glory: Three (football) field studies. Journal of Personality and Social Psychology, 34(3), 366–375. DOI 10.1037/0022-3514.34.3.366 (öffnet in neuem Tab).
  • [belegt] Identifikation als Moderator: höhere Fan-Identifikation: mehr BIRGing, weniger CORFing; gering/mäßig Identifizierte distanzieren sich leichter: Wann, D. L., & Branscombe, N. R. (1990). Die-hard and fair-weather fans: Effects of identification on BIRGing and CORFing tendencies. Journal of Sport and Social Issues, 14(2), 103–117. DOI 10.1177/019372359001400203 (öffnet in neuem Tab).
  • [belegt] Selbstwert-Einbruch nach Niederlage bei hoch Identifizierten (experimentell): Hirt, E. R., Zillmann, D., Erickson, G. A., & Kennedy, C. (1992). Costs and benefits of allegiance: Changes in fans‘ self-ascribed competencies after team victory versus defeat. Journal of Personality and Social Psychology, 63(5), 724–738. DOI 10.1037/0022-3514.63.5.724 (öffnet in neuem Tab).
  • [belegt] Kausaler Kern: Abwertung des bedrohungsrelevanten Fremdgruppen-Ziels hebt den kollektiven Selbstwert; Abwertung eines irrelevanten Ziels tut das nicht, sondern senkt ihn (Strukturgleichungsmodell): Branscombe, N. R., & Wann, D. L. (1994). Collective self-esteem consequences of outgroup derogation when a valued social identity is on trial. European Journal of Social Psychology, 24(6), 641–657. DOI 10.1002/ejsp.2420240603 (öffnet in neuem Tab). Trägt genau die Zielspezifität im Text: der Schiedsrichter/Rivale flickt den Selbstwert, ein beliebiges Ziel nicht.
  • [belegt] „Blasting“ als indirekte Imagepflege: Cialdini, R. B., & Richardson, K. D. (1980). Two indirect tactics of image management: Basking and blasting. Journal of Personality and Social Psychology, 39(3), 406–415. DOI 10.1037/0022-3514.39.3.406 (öffnet in neuem Tab).
  • [belegt] Hohe Identifikation korreliert mit Bereitschaft zu verbaler/physischer Fan-Aggression, aber nicht automatisch (zwei Typen hoch Identifizierter): Dimmock, J. A., & Grove, J. R. (2005). Relationship of fan identification to determinants of aggression. Journal of Applied Sport Psychology, 17(1), 37–47. DOI 10.1080/10413200590907559 (öffnet in neuem Tab) (N = 231). Ergänzend Wann u. a. (2003); zur Nicht-Automatik Wakefield & Wann (2006).
  • [belegt] Verlagerte Aggression robust (mittlere Effektstärke +0,54; Moderatoren: Negativität der Situation, Ähnlichkeit von Quelle und Ziel); belegt die Verlagerung, nicht die Kosten-Selektion: Marcus-Newhall, A., Pedersen, W. C., Carlson, M., & Miller, N. (2000). Displaced Aggression Is Alive and Well: A Meta-Analytic Review. Journal of Personality and Social Psychology, 78(4), 670–689. DOI 10.1037/0022-3514.78.4.670 (öffnet in neuem Tab).
  • [gestützt] Kosten-Selektion speziell (Wut sucht eher das billigere Ziel, wenn Aggression nach oben zu teuer ist): Fan, Y., & Gong, S. (2025). Blame the Player, Not the Game? How Perceived Institutional Inequality Predicts Displaced Aggression. Behavioral Sciences, 15(12), 1662. DOI 10.3390/bs15121662 (öffnet in neuem Tab). (Kontext: institutionelle Ungleichheit, chinesische Studierende; schmal und domänenfremd.)
  • [belegt] Mehr Empörung, wenn Vertrauenswürdigkeit nicht durch direktes prosoziales Teilen gezeigt werden kann (n = 8.440): Jordan, J. J., & Rand, D. G. (2020). Signaling When Nobody Is Watching. Journal of Personality and Social Psychology, 118(1), 57–88. DOI 10.1037/pspi0000186 (öffnet in neuem Tab).
  • [belegt] Anonymität ohne eigenständigen Aggressionseffekt; die Gruppennorm treibt aggressive Sprache (Laborexperiment): Rösner, L., & Krämer, N. C. (2016). Verbal Venting in the Social Web. Social Media + Society, 2(3).
  • [belegt] Deindividuierung (Anonymität, Gruppengröße, geringe Selbstaufmerksamkeit) wirkt insgesamt nur schwach auf normverletzendes Verhalten (r = 0,09; Anonymität gegenüber der eigenen Gruppe r = 0,03, nicht verlässlich; gegenüber Außenstehenden, die einen identifizieren könnten, r = 0,16), und die Richtung folgt der jeweils geltenden Norm (Meta-Analyse, 60 Studien): Postmes, T., & Spears, R. (1998). Deindividuation and antinormative behavior: A meta-analysis. Psychological Bulletin, 123(3), 238–259. DOI 10.1037/0033-2909.123.3.238 (öffnet in neuem Tab).
  • [gestützt] „Backfire-Effekt“ selten, Überzeugungen bewegen sich überwiegend in Richtung der Evidenz: Wood & Porter (2019), Political Behavior; Guess & Coppock (2020), British Journal of Political Science; Coppock (2023), Persuasion in Parallel.
  • [belegt] Überzeugung hängt an der Form; Interaktionsdynamik und sprachliches Zusammenspiel sagen Erfolg voraus: Tan, C., Niculae, V., Danescu-Niculescu-Mizil, C., & Lee, L. (2016). Winning Arguments. Proceedings WWW ’16, 613–624.
  • [belegt] Fordernde/bedrohende Sprache erhöht Ärger und Abwehr (reactance) und senkt dadurch die Überzeugung: Ma, R., Ma, Z., Kalny, C. S., & Walter, N. (2025). Words that trigger: a meta-analysis of threatening language, reactance, and persuasion in health. Journal of Communication, 75(5), 348–357. DOI 10.1093/joc/jqaf004 (öffnet in neuem Tab) (k = 35, N = 10.658). Ergänzend: Li, Z., & Shi, J. (2026). Message effects on psychological reactance: meta-analyses. Human Communication Research, 52(1). DOI 10.1093/hcr/hqaf016 (öffnet in neuem Tab). Vorbehalt: überwiegend Gesundheitskommunikation und speziell freiheitsbedrohende Sprache; benachbart zum Online-Dunk, nicht deckungsgleich.
  • [gestützt] Richtungsspezifisch (Zugeständnis hilft, Angriff schadet): Freeborn, D., Alikani, M., & Sicilia, A. (2026). Change My View? arXiv:2605.08383, Preprint. Die Textaussage „die Form entscheidet“ ruht auf Tan et al. und der reactance-Metaanalytik; dieser Preprint liefert nur die Feinrichtung.
  • [belegt] Verbesserte Debattenqualität führt nicht verlässlich zu Einstellungsänderung: Heide-Jørgensen, T., Eady, G., & Rasmussen, A. (2025). Understanding the success and failure of online political debate: Experimental evidence using large language models. Science Advances, 11(30). DOI 10.1126/sciadv.adv7864 (öffnet in neuem Tab).
  • [strukturell] Etikett „Projektion/Tugendsignal“ als testimoniale Ungerechtigkeit: Fricker, M. (2007). Epistemic Injustice. Oxford University Press.
  • [belegt] Belastung der Amateur-Schiedsrichter, selbstberichtet (Tätlichkeit jemals 18,9 Prozent, in der zurückliegenden Saison 4,2 Prozent; Bedrohungen 38,9 auf 42,5 Prozent zwischen 2011/12 und 2022/23; Aufhörgedanken 41,3 Prozent): Vester, T. (2025). Gewalt gegen Unparteiische im Fußball – eine unendliche Geschichte? Längsschnittdaten zur Opferwerdung und zum Sicherheitsgefühl. Universität Tübingen. DOI 10.15496/publikation-110716 (öffnet in neuem Tab). Vorbehalt: drei Wellen (n = 2.602 / 2.240 / 1.892), aber regional auf Württemberg begrenzt und durchweg Selbstbericht.
  • [belegt] Gegenläufige Meldestatistik: 0,43 Prozent von 1,286 Millionen Spielen der Saison 2024/25 mit gemeldeten Vorfällen gegenüber 0,5 Prozent 2022/23, Spielabbrüche 961 auf 829 (2016/17: 672): Deutscher Fußball-Bund, Lagebild Amateurfußball, dfb.de (öffnet in neuem Tab). Vorbehalt: erhoben von den Schiedsrichtern selbst im Spielbericht; über zehn Prozent der Partien fehlen, Vorfälle nach Spielende werden nicht erfasst. Vester dazu: die Zahlen zeigten eher, wie gemeldet werde, als was geschehe.
  • [strukturell] Der Sachstand der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages, Gewalt im Amateurfußball, WD 10-025-23 (2023), beziffert nur den Amateurbereich und enthält keinen Vergleich mit dem Profibereich; eine Vergleichsstatistik zwischen beiden Ebenen ist mir nicht bekannt: bundestag.de (öffnet in neuem Tab). Der Unterschied in der Erreichbarkeit ist eine Aussage über die Bauart der Situation, keine gemessene Differenz.

Quellen alphabetisch

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Cialdini, R. B., Borden, R. J., Thorne, A., Walker, M. R., Freeman, S., & Sloan, L. R. (1976). Basking in reflected glory: Three (football) field studies. Journal of Personality and Social Psychology, 34(3), 366–375. doi.org/10.1037/0022-3514.34.3.366 (öffnet in neuem Tab)

Cialdini, R. B., & Richardson, K. D. (1980). Two indirect tactics of image management: Basking and blasting. Journal of Personality and Social Psychology, 39(3), 406–415. doi.org/10.1037/0022-3514.39.3.406 (öffnet in neuem Tab)

Coppock, A. (2023). Persuasion in Parallel. University of Chicago Press.

Deutscher Fußball-Bund. Lagebild Amateurfußball. Saison 2024/25. dfb.de/content/gewalt-und-diskriminierung-im-amateurfussball (öffnet in neuem Tab)

Dimmock, J. A., & Grove, J. R. (2005). Relationship of fan identification to determinants of aggression. Journal of Applied Sport Psychology, 17(1), 37–47. doi.org/10.1080/10413200590907559 (öffnet in neuem Tab)

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Freeborn, D., Alikani, M., & Sicilia, A. (2026). Change My View? The Dynamics of Persuasion and Polarization in Online Discourse. arXiv:2605.08383 (Preprint). doi.org/10.48550/arXiv.2605.08383 (öffnet in neuem Tab)

Fricker, M. (2007). Epistemic Injustice: Power and the Ethics of Knowing. Oxford University Press.

Guess, A., & Coppock, A. (2020). Does Counter-Attitudinal Information Cause Backlash? Results from Three Large Survey Experiments. British Journal of Political Science, 50(4), 1497–1515. doi.org/10.1017/S0007123418000327 (öffnet in neuem Tab)

Hirt, E. R., Zillmann, D., Erickson, G. A., & Kennedy, C. (1992). Costs and benefits of allegiance: Changes in fans' self-ascribed competencies after team victory versus defeat. Journal of Personality and Social Psychology, 63(5), 724–738. doi.org/10.1037/0022-3514.63.5.724 (öffnet in neuem Tab)

Jordan, J. J., & Rand, D. G. (2020). Signaling When Nobody Is Watching: A Reputation Heuristics Account of Outrage and Punishment in One-shot Anonymous Interactions. Journal of Personality and Social Psychology, 118(1), 57–88. doi.org/10.1037/pspi0000186 (öffnet in neuem Tab)

Li, Z., & Shi, J. (2026). Message effects on psychological reactance: meta-analyses. Human Communication Research, 52(1). doi.org/10.1093/hcr/hqaf016 (öffnet in neuem Tab)

Ma, R., Ma, Z., Kalny, C. S., & Walter, N. (2025). Words that trigger: a meta-analysis of threatening language, reactance, and persuasion. Journal of Communication, 75(5), 348–357. doi.org/10.1093/joc/jqaf004 (öffnet in neuem Tab)

Marcus-Newhall, A., Pedersen, W. C., Carlson, M., & Miller, N. (2000). Displaced Aggression Is Alive and Well: A Meta-Analytic Review. Journal of Personality and Social Psychology, 78(4), 670–689. doi.org/10.1037/0022-3514.78.4.670 (öffnet in neuem Tab)

Postmes, T., & Spears, R. (1998). Deindividuation and antinormative behavior: A meta-analysis. Psychological Bulletin, 123(3), 238–259. doi.org/10.1037/0033-2909.123.3.238 (öffnet in neuem Tab)

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Tan, C., Niculae, V., Danescu-Niculescu-Mizil, C., & Lee, L. (2016). Winning Arguments: Interaction Dynamics and Persuasion Strategies in Good-faith Online Discussions. Proceedings of the 25th International Conference on World Wide Web (WWW '16), 613–624.

Vester, T. (2025). Gewalt gegen Unparteiische im Fußball – eine unendliche Geschichte? Längsschnittdaten zur Opferwerdung und zum Sicherheitsgefühl. Universität Tübingen. doi.org/10.15496/publikation-110716 (öffnet in neuem Tab)

Wakefield, K. L., & Wann, D. L. (2006). An Examination of Dysfunctional Sport Fans: Method of Classification and Relationships with Problem Behaviors. Journal of Leisure Research, 38(2), 168–186. doi.org/10.1080/00222216.2006.11950074 (öffnet in neuem Tab)

Wann, D. L., & Branscombe, N. R. (1990). Die-hard and fair-weather fans: Effects of identification on BIRGing and CORFing tendencies. Journal of Sport and Social Issues, 14(2), 103–117. doi.org/10.1177/019372359001400203 (öffnet in neuem Tab)

Wann, D. L., Haynes, G., McLean, B., & Pullen, P. (2003). Sport team identification and willingness to consider anonymous acts of hostile aggression. Aggressive Behavior, 29(5), 406–413. doi.org/10.1002/ab.10046 (öffnet in neuem Tab)

Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages. Gewalt im Amateurfußball. Sachstand WD 10-025-23. bundestag.de (öffnet in neuem Tab)

Wood, T., & Porter, E. (2019). The Elusive Backfire Effect: Mass Attitudes' Steadfast Factual Adherence. Political Behavior, 41(1), 135–163. doi.org/10.1007/s11109-018-9443-y (öffnet in neuem Tab)

Heide-Jørgensen, T., Eady, G., & Rasmussen, A. (2025). Understanding the success and failure of online political debate: Experimental evidence using large language models. Science Advances, 11(30). doi.org/10.1126/sciadv.adv7864 (öffnet in neuem Tab)

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