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Die eigene Entwicklung – Worüber Coaches selten schreiben

Die eigene Entwicklung – Worüber Coaches Selten schreiben

Wenn ich mir den Markt der Coaches und psychologischen Berater anschaue, dann sehe ich als potentieller Kunde eine Reihe von guten Marketing Kampagnen. Man findet in den Profilen eine Reihe von Ausbildungen, über die Learnings wird selten reflektiert. Die wirken auf mich manchmal wie Wandermarken, die man sich nach der Besteigung von Bergen an den Stock nagelt.

Authentisches Marketing

Was jedoch in 99% der Fälle fehlt, ist der Bericht über die eigene Persönlichkeitsentwicklung. Über Fragestellungen und deren Bewältigung. Der Coach, psychologische Berater oder auch Therapeut lebt in seiner Rolle von der Zuschreibung der Kompetenz durch den Kunden. Validiert werden sie durch die Anerkennung durch ihre Peers, ob es Institutionen wie Universitäten, Ausbildungsinstitute und Coachingverbände sind, oder durch das Feedback meiner Kunden.

Selten bis gar nicht habe ich über die eigene Entwicklung von Coaches und Psychologen gelesen. Deshalb mache ich hier für mich den ersten Schritt in diese Richtung. Diese Reihe wird fortgesetzt werden.

Mit Fotografie zur Persönlichkeitsentwicklung?

Im Jahr 2016 habe ich mit der Anschaffung einer Spiegelreflexkamera begonnen mich wieder ernsthafter in die Fotografie einzuarbeiten. Zunächst autodidaktisch und mit der Unterstützung durch Freunde, die in dem Bereich Profis sind.

Ich habe im Jahr 2016 jede Veranstaltung / Show im interdisziplinären Kunstraum OBERFETT in Hamburg fotografisch dokumentieren dürfen.  Das hat gut funktioniert und durch die Rückmeldungen konnte ich meine Ergebnisse so verbessern, dass ich mit den Dokumentationen zufriedener wurde. Man hat ja Ansprüche an sich selbst.

Doch gegen Ende des Jahres kam ich an die Grenzen meines Eigenstudiums. Also suchte ich nach einer Möglichkeit Grundlagen und Fertigkeiten der Fotografie zu erlernen. Das ist  nicht so einfach wie ich feststellte, der Markt für fotografische Weiterbildungen ist wahrscheinlich genauso unübersichtlich wie der Markt für Coaching und Beratungsausbildungen in meiner Zunft.

Ich folge seit Jahren dem fotografischen Weg von Stefan Groenveld, mit dem ich zuerst im Jahr 2011 auf einem Netzwerk Event, der sog. „Gadget-Night“ in Hamburg ins Gespräch kam. Ich war und bin begeistert von seinen Eventdokumentationen, Portraits sowie seiner herzlichen und offenen Art und Weise im Kontakt zu sein. Inzwischen sind wir befreundet.  Stefan war im Jahr zuvor nach Varanasi in Indien gereist um an einem Workshop bei Maciej Dakowicz teilzunehmen. Nach einigen Abwägungen konnte ich für den Dezember 2016 einen Platz bei Maciej im Workshop in Kerala / Indien buchen.

Hier hören dann die meisten „Entwicklungsgeschichten“ von Coaches auf, wenn sie denn überhaupt soweit ins Detail gehen.

Die Verbindung von Fotografie und psychologischer Beratung

Warum Fotografie neben der psychologischen Beratung und dem Coaching? Mein Beruf beschäftigt sich immer mit anderen Menschen und deren Sichtweisen, Fragestellungen und ungelösten mentalen Knoten. Ich liebe es, wenn meine Klienten und Kunden sich nach der Findung ihrer eigenen Lösung entspannen und wieder mit Handlungsmacht gestärkt in ihren Alltag zurück kehren.

Davon abzuschalten gelingt mir oft nur durch Sport, oder durch die Beschäftigung mit anderen Themen in die ich mich versenke. Es gehört zu meinem Wesen die Dinge zu ergründen und dabei genau hin zu schauen. Feine Wahrnehmung für Körperhaltungen, Gesten und das kurze Aufblitzen von Emotionen durch den „Panzer“ der Alltagspersönlichkeit hindurch. Die Gegenübertragungen thematisieren im Kontakt mit Klienten.

In der Fotografie hängt das gute Bild nur von mir, meinen Fertigkeiten, meiner Intuition und meinem Mut ab. Mut nah ran zu gehen. Den Mut einzutauchen in Situationen ohne Angst zu haben dabei verloren zu gehen. Risiken kalkuliert und wachsam im Hier und Jetzt zu nutzen um etwas festzuhalten, was sonst im Strom des Lebens verloren sein würde.

Und hier ist für mich die Schnittstelle bzw. die Dimension. Auf der einen Seite die Zurückhaltung des psychologischen Beraters und auf der anderen Seite der Dimension steht das Eintauchen, das nahe rangehen des Streetfotografen bzw. des dokumentarischen Fotografen. Das sind für mich quasi zwei Seiten einer Medaille die zusammen gehören.

Ich bin es aus meinen Ausbildungen als Psychologe und Coach gewohnt ein begleitender Beobachter zu sein. Nicht aufdringlich, ohne zu werten. Das hilft mir in der Fotografie. Ich kann einfach nur dabei sein. In der Streetfotografie jedoch muss ich in Situationen eindringen. Ich kann nicht das Zoomobjektiv nehmen und aus sicherer Entfernung rein und raus zoomen. 35mm Festbrennweite, oder 28mm sind der Standart. Um damit ein gut komponiertes Foto zu bekommen muss ich eintauchen und die Nähe suchen, den richtigen Abstand bzw. die richtige Nähe finde. Wohlgemerkt ohne die Situation zu verändern.

Die Realität in Indien und Mein Learning

Ich traf also am 16. Dezember in Cochin, Kerala ein. Der kulturelle Schock hielt sich in Grenzen. Ich kann sehr gut in mir bis dahin nicht vertraute Kulturen eintauchen und beobachten während ich anwesend bin. Wahrscheinlich eine Art Prädisposition die mich auch zum Psychologiestudium führte.

Die Schwierigkeit war jedoch für mich und das sollte sich in den ersten Tagen des Workshops zeigen, einzutauchen. Wirklich nahe ran zu gehen und den Kontakt zu suchen ohne die Situation zu verändern. Das ist natürlich erstmal Theorie. Doch wenn man es dann tut, dann weiß man durch die Erfahrung, dass es geht. Ich kann in Situationen präsent sein, sie dokumentieren und sie nicht verändern. Sogenannte mentale „Pixelpeeper“ könnten jetzt hier in die Tiefe gehen und sagen, so geht das nicht. Doch es geht. Man wird teil der Situation und wie im Beratungsgespräch entspannt sich das Umfeld und macht genaus weiter wie vorher.

Vertrauen und Selbstverständlichkeit sind die Stichworte. Die Rolle des Coaches und psychologischen Beraters gibt einem eine Sicherheit. Dahinter kann man als Mensch in der Rolle ganz gut verschwinden. Er ist ja nur Reflektionsfläche…denkt er. Natürlich ist er das nicht nur. Er hat eine eigene Perspektive und er bricht und reflektiert das Licht und das Leben auf seine eigene Art & Weise. Er fokussiert Aspekte, Details und Zusammenhänge vor dem Hintergrund seiner eigenen Disposition.

Die Fotografie macht mir dies bewußter. Der Perspektivwechsel, die Nähe, wie nah ist gut, wann ist es zuviel. Das sieht man auf den Fotos.

Mich verändert der Kontakt durch die Fotografie. Die Fotografie trägt mich zu Menschen und an Orte und diese Begegnungen verändern mich als Mensch und lassen meine Persönlichkeit wachsen. Fotografie lässt mich umfangreicher und gelassener werden auf eine ganz natürliche Art und Weise mitten im Leben.

Mein Leistungsdruck und der Umgang damit

Der notwendige Perspektivwechsel um die Streetfotografie zu erfahren und in den folgenden Jahren zu erlernen hat mir aufgrund des inneren Anspruchs in den ersten Tagen körperliche Schmerzen bereitet. Ich hatte Rücken, wie man so sagt. Leistungsdruck und ungewohnte Bewegungen / Haltungen haben dazu geführt. Im Verlauf des siebentägigen Workshops sind diese Schmerzen, nicht zuletzt durch den Einsatz von Schmerzmitteln aus der Hausapotheke eines Professors aus Kuwait, der auch an den Workshop teilnahm verschwunden. Der Enthusiasmus blieb erhalten und die fotografischen Ergebnisse wurden besser. Meine „Hit-Miss-Ratio“ verbesserte sich täglich.

Die Veränderung meiner inneren Haltung führte zu Entspannung

Aus einer „Wie mache ich das jetzt nah dabei zu sein und die richtigen Fotos zu kriegen?“ Haltung wurde im Verlauf eine Haltung „Ich bin nahe dran und fotografiere was mir gefällt“ und kann mit den Reaktionen, den Fragen, den zu 99% freundlichen Rückmeldungen / Kontaktaufnahmen wie selbstverständlich umgehen. Und das in einer Welt die mir unbekannt erscheint, deren Umgangsweisen und Gebräuche ich auch nach 5 Wochen in Indien nur an der Oberfläche kenne.

Intuition als Kompassnadel

Intuition stärken. Das ist ein unerwartetes Ergebnis meiner Reise nach Indien. Ich habe einige Fotos nur machen können, weil ich meiner Intuition folgte. Auch gegen den Rat meiner lokalen Begleiter des Kollektivs „That’s Life India“. Besonders sichtbar wurde es in Kalkutta. Mein dortiger Begleiter Rajat hat mich mehr als einmal darauf hingewiesen wie schnell ich zeitweise unterwegs war. Er folgte dann manchmal in 5 Minuten Abstand und verlor mich dabei nie aus den Augen.  Ich bin meinem eigenen Rhythmus gefolgt und habe bestenfalls sofort oder am Ende des Tages immer sehen können ob es richtig war, oder eben auch nicht.

Indien selbst ist grundsätzlich erst einmal Fremden gegeüber freundlich eingestellt. Darüber hinaus ist meiner Erfahrung nach so direkt, Begeisterung und Freundlichkeit werden einem sofort gespiegelt. Andere Emotionen aber eben auch. Man kriegt sich selbst quasi direkt zurück.

Ich hoffe Sie konnten etwas für sich mitnehmen aus dem Artikel.

Der ersten Artikel aus der Fotoserie finden Sie hier.

Alles Gute für Sie

Stefan Manzow

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