„Alle Kriege enden mit Verhandlungen. Warum also nicht gleich verhandeln?“– J. Nehru

Das ist jetzt ja keine Neuigkeit, oder? Am Ende eines Krieges wird so oder so ein Frieden verhandelt, entweder weil der Sieg einer der „Kriegsparteien“ klar auf der Hand liegt oder weil die involvierten Gegner bemerken, dass sie nicht mehr die Ressourcen haben, den Krieg weiterzuführen.

Bevor man im Berufs- und Privatleben einen wie auch immer gearteten „Krieg“ anfängt, könnte man ja direkt mit Gesprächen zur Findung von Konfliktlösungen beginnen. Es bräuchte keine Machtspiele, um Dominanz herzustellen. Ok, zugegeben, in einer idealen Welt wäre das wohl so.

Menschen scheinen Macht zu lieben. Es gibt ihnen scheinbar das Gefühl von Wirksamkeit. Statusmacht oder Handlungsmacht, also Kontrolle. Besonders scheint es wohl so zu sein, wenn andere Menschen beteiligt sind und man sich in der Rolle als eine Art Dirigent etablieren kann, dann ist wohl eine der beliebtesten Rollen in unserer Gesellschaft.

Es wird ja auch gerne von einem „Machtanspruch“ gesprochen bei Beschreibungen von Persönlichkeiten.

Haben auch Sie einen Machtanspruch? 

Sie nicht? Sie wollen also nicht die Richtung Ihres Lebens selbst bestimmen? Es gibt im klinischen Sinne abhängige Persönlichkeiten, die scheinbar auf diesen Anspruch der Selbstverwirklichung verzichten. Ich bezweifele jedoch, dass sie den Anspruch vollständig aufgeben. Sie setzen ihn möglicherweise aus der subdominanten Position durch und steuern ein System aus der scheinbaren Defensive.

Zurück zum Berufsleben. Verhandlungen über Veränderungswünsche sind immer mit Arbeit verbunden. Mehrarbeit, weil diese „Veränderungsverhandlungsarbeit“ zu der alltäglichen Routine hinzukommt.

Wenn Konflikte nicht auf die eine oder andere Art und Weise konstruktiv gelöst werden und sich nicht alle mit ihren Sichtweisen im Ergebnis wiederfinden, dann kann der Konflikt erkalten.

Man zieht sich zurück auf sichere Positionen, schmollt möglicherweise, macht „Schuldige“ aus und entzieht sich dem Teamprozess.

Die Aufgabe, die Interessen aller im Rahmen der Möglichkeiten zu berücksichtigen, ist Führungsaufgabe.

In vielen Fällen wird die Führungskraft sich vor Ort Unterstützung/Verstärkung suchen. Entweder bei übergeordneten Kräften oder im Team, und schneller als man sich umgucken kann, gibt es eine Cliquenbildung.

Das kostet Ressourcen, Zeit, Geld und die Nerven der Beteiligten. Das ist dann auch schon der Anfang der Abwärtsspirale für den Teamzusammenhalt.

Je länger und kälter, also verfestigter der Konflikt im System wird, desto gravierender die Folgen für den Erfolg der Unternehmung. Es ziehen nicht mehr alle am gleichen Strang. Die Kraft des Teams kommt nicht mehr zu 100 Prozent der eigentlichen Aufgabe zu.

Man könnte es als „Kleinkrieg“ bezeichnen. Der läuft dann, solange alle Beteiligten mitspielen und den eigentlichen Ausgangspunkt verdrängen. Der Konflikt verselbständigt sich. Er kann zum Selbstzweck werden.

Es gehört Mut dazu sich, selbst einzugestehen bzw. wahrzunehmen, dass man nicht mehr so geschmeidig ist im Alltag, wie man es eigentlich sein müsste, um auf die täglichen Anforderungen flexibel reagieren bzw. den Arbeitsprozess aktiv gestalten zu können.

Da wären wir wieder bei Achtsamkeit, bei der notwendigen Selbstwahrnehmung für die eigenen Befindlichkeiten.

Wann haben Sie das letzte Mal auf „stur“ geschaltet? Erinnern Sie sich? 

Waren Sie mit dem anschließenden Kampf erfolgreich und wenn ja, welchen Preis haben Sie dafür zahlen müssen? Sind Sie noch in der Position in dem Unternehmen? Welche Mitarbeiter haben Sie verloren und damit auch die fachlichen Qualitäten der Mitarbeiter? Fühlen Sie sich wohl, wenn Sie zur Arbeit gehen, oder ziehen Sie schon die Rüstung an?

Ich weiß, das sind eine ganze Menge Fragen. Durch die Beantwortung können Sie feststellen, ob Sie sich schon im kalten „Krieg“ befinden oder noch in einer konstruktiven Arbeitsatmosphäre, die Ihnen auch die Möglichkeit gibt, sich zumindest teilweise im Rahmen der Möglichkeiten selbst zu verwirklichen.

Alles Gute für Sie

Stefan Manzow